Begriffe zur sexuellen und geschlechtlichen Identität

 

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
Asexuell/Asexualität
Bisexuell / Bisexualität
Cisgender / Cissexuell
Coming-out
Community
Christopher Street Day (CSD)
Eingetragene Lebenspartnerschaft
Gender
Geschlechtliche Identität / Geschlechtsidentität
Heterosexuell / Heteronormativität
Homophobie / Homofeindlichkeit
Homosexuell / Homosexualität
Intersexuell / Intersexualität
Lesbisch / Lesbe
LSBTTIQ
Queer
Regenbogenfamilie
Regenbogenflagge
Rosa Winkel / Schwarzer Winkel
Schwul / Schwuler
Sexuelle Identität / Sexuelle Orientierung
Transgender
Transphobie / Transfeindlichkeit
Transsexuell / Transsexualität
§ 175 StGB – Homosexuellenverfolgung

 

 

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz ist besser bekannt unter dem Namen Antidiskriminierungsgesetz. (www.antidiskriminierungsstelle.de) Es soll dafür sorgen, dass alle Menschen gleich behandelt werden – egal, woher sie kommen oder wie alt sie sind, egal, ob oder an welchen Gott sie glauben, egal, ob sie gehörlos sind oder im Rollstuhl sitzen, egal, ob sie Frauen oder Männer sind und egal, ob sie Frauen oder Männer lieben. Falls man aus einem dieser Gründe diskriminiert wird – also zum Beispiel nicht eingestellt, schlechter bezahlt oder belästigt wird, kann man dagegen klagen.
Das Gesetz gilt für alle Lebensbereiche, für den Beruf ebenso wie für das sonstige Leben. Wenn also eine Wohnungsbaugesellschaft ihre Wohnungen grundsätzlich nicht an Menschen mit Migrationshintergrund vermietet oder eine Krankenversicherung ohne Grund höhere Beiträge von Frauen als von Männern verlangt, dann ist das ein Fall für das AGG.

Als das Gesetz 2006 in Kraft getreten ist, war das ein echter Meilenstein. Zum ersten Mal hatten Menschen in Deutschland die Möglichkeit, rechtlich dagegen vorzugehen, wenn sie aufgrund ihrer sexuellen Identität diskriminiert werden. Zwar sagt auch das Grundgesetz in Artikel 3, dass niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens oder seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt werden darf. Aber das Merkmal „sexuelle Identität“ fehlt in der Aufzählung.
Androgyn Androgyn ist ein Mensch, der in seinem Aussehen und/oder in seinem Verhalten männliche und weibliche Merkmale miteinander kombiniert. Das Wort androgyn setzt sich zusammen aus den altgriechischen Begriffen für Mann (andros) und Frau (gyné). Androgyne Menschen gehen oft spielerisch mit den verschiedenen Geschlechterrollen um. Ihr eigenes biologisches Geschlecht stellen sie aber in der Regel nicht in Frage. Da sie auf den ersten Blick keine Einordnung in Frau/Mann zulassen und so der Norm der zwei Geschlechter nicht entsprechen, wecken sie oft Irritationen.
Es gibt viele prominente Beispiele für androgyne Menschen: der Sänger Bill Kaulitz, die Sängerin und Schauspielerin Grace Jones, das Model Andreja Pejic und die Schauspielerin Tilda Swinton.

 

Asexuell/Asexualität

Asexuelle Menschen haben kein Verlangen nach sexueller Interaktion mit anderen Menschen. Es gibt verschiedene Varianten von Asexualität: Manche Asexuelle verlieben sich durchaus und wollen auch körperliche Nähe und Zärtlichkeit mit dem oder der Partner_in. Sie haben aber kein Bedürfnis, weiter zu gehen als streicheln und kuscheln. Andere kennen das Gefühl des Verliebtseins nicht. Manche empfinden grundsätzlich keine oder kaum Erregung. Manche lehnen das Gefühl von sexueller Erregung ab: sie fühlen zwar Erregung, empfinden das aber nicht als angenehm, sondern als störend.
Weil die allermeisten Menschen sich nicht vorstellen können, ohne Sex zu leben, stoßen asexuelle Menschen in der Gesellschaft auf irritierte Reaktionen.

 

Bisexuell / Bisexualität

Bisexuelle Menschen fühlen sich emotional und sexuell zu Männern und Frauen hingezogen. Die langjährige deutsche Fußball-Nationaltorhüterin Nadine Angerer hat es so ausgedrückt: „Ich persönlich bin da offen, weil ich der Meinung bin, dass es nette Männer und nette Frauen gibt, und weil ich eine Festlegung generell total albern finde.“
Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, hat bereits im 19. Jahrhundert die These aufgestellt, dass im Grunde alle Menschen bisexuell sind. In den 1940er und 1950er Jahren kamen die berühmten Studien des amerikanischen Sexualforschers Kinsey zu dem Ergebnis, dass 90 Prozent der damals befragten 17.000 Amerikaner_innen „zu einem gewissen Grad bisexuell“ waren.
Damals wie heute gilt: Sich nicht für ein Geschlecht zu entscheiden, stellt die monosexuelle Ordnung in unserer Gesellschaft in Frage. Bisexuelle Menschen (nach der lateinischen Vorsilbe bi = zwei) sind Vorurteilen sowohl von heterosexueller als auch von homosexueller Seite ausgesetzt. Bisexuellen fällt es deshalb oft schwer, zu sich zu stehen und sich zu outen. Aber immer mehr Bisexuelle trauen sich inzwischen, öffentlich zu ihrer Bisexualität zu stehen.

 

Cisgender / Cissexuell

Als cisgender werden Personen bezeichnet, deren Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Cisgender ist somit der Gegenbegriff zu transgender oder transsexuell. Der Gebrauch der Vorsilbe Cis- soll deutlich machen, dass transgender/ transsexuell und cisgender gleichberechtigte und normale Ausprägungen von Geschlechtsidentität sind. Die Idee der Bezeichnung geht auf Volkmar Sigusch zurück. Der Begriff problematisiert, dass transgender oder transsexuell mit einer eigenen Bezeichnung belegt wird, während gleichzeitig für Menschen, bei denen Geschlechtsidentität und zugewiesenen Geschlecht übereinstimmen, kein eigener Begriff existiert. Das führt zu einem Ungleichgewicht: Cisfrauen und Cismänner erscheinen als Selbstverständlichkeit, transsexuelle oder transgender Personen aber werden durch einen eigenen Begriff als anders markiert.
Cisgender setzt sich zusammen aus der lateinischen Vorsilbe ‚cis‘- („diesseits“) und dem englischen ‚gender‘ („Geschlecht“). Cisgender bezieht sich auf die Geschlechtsidentität, sagt aber nichts über die sexuelle Identität der Person aus.
Cisgender Menschen können somit heterosexuell, schwul, lesbisch, bisexuell, queer oder asexuell leben.

 

Coming-out

Coming-out bedeutet, öffentlich bekannt zu machen, dass man lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell oder queer ist. Der berühmteste Coming-out- Satz in Deutschland stammt von Klaus Wowereit. „Ich bin schwul – und das ist auch gut so“, hat der langjährige Berliner Oberbürgermeister 2001 auf einer Pressekonferenz gesagt.
Ein Coming-out (englisch für herauskommen) kann man in der Familie haben, aber auch im Freundes- oder im Kollegenkreis. Viele sind sich unsicher, wie die Umgebung darauf reagiert. Aus diesem Grund ist für die meisten der Schritt, „es“ den Eltern, dem Freundeskreis, den Lehrkräften oder dem kollegialen Umfeld zu sagen, ein sehr großer, der viel Mut erfordert.
Es gibt auch ein inneres Coming-out. Viele Menschen werden sich ihrer sexuellen und/oder geschlechtlichen Identität erst nach und nach bewusst und brauchen einige Zeit, um dies selbst zu erkennen und sich so zu akzeptieren, wie sie sind. Bei diesem Prozess, der im Kindes-, im Jugend- oder auch erst im Erwachsenenalter stattfinden kann, spricht man von einem inneren Coming- out. Das Coming out ist oft ein lebenslanger Prozess, den Menschen selbstbestimmt und in selbst gewählten Schritten gehen. Es darf nicht verwechselt werden mit dem sogenannten Outing. Ein Outing erfolgt meist gegen den Willen von Betroffenen und wird von dritten Personen initiiert.

 

Community

Community heißt die Gruppe von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen oder queeren Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen und/oder geschlechtlichen Identität gleiche Erfahrungen teilen und in diesem Zusammenhang aktiv werden.
Die Community umfasst alle, die sich in irgendeiner Form zusammentun und handeln, um Selbstbewusstsein und Solidarität zu stärken – oder einfach um gemeinsam Spaß zu haben. Dazu gehört ein Beratungszentrum für Lesben und Schwule ebenso wie ein lesbisches Volleyballteam, eine Selbsthilfegruppe für Transsexuelle, eine schwuler Chor, die Internetinitiative für Intersexuelle oder ein lesbischer Stammtisch. Im Gegensatz zu dem Begriff Szene wird mit dem Begriff Community das Zusammengehörigkeitsgefühl stärker betont.

 

Christopher Street Day (CSD)

Beim CSD demonstrieren lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle, queere und andere Menschen für Akzeptanz und Anerkennung sowie um die eigene Lebens- und Liebensform mit Stolz zu zeigen. Heute kennen wir den Christopher Street Day in Deutschland als eine oft große und bunte Straßenparade, bei der Menschen - teilweise in auffallenden Kostümierungen - durch die Innenstadt ziehen und auf sich und ihre Rechte aufmerksam machen.
Der Begriff geht zurück auf ein Ereignis aus dem Jahr 1969. Die New Yorker Polizei führte im Szene-Lokal „Stone- wall“ in der Christopher Street wieder einmal eine große Razzia gegen Trans- sexuelle, Lesben und Schwule durch. Am 28. Juni 1969 wehrten sich die Betroffenen zum ersten Mal gegen die gewalttägige Polizeiwillkür. Dieser mutige und spektakuläre Aufstand ging um die Welt und machte die Christopher Street berühmt. Seither wird der Christopher Street Day in vielen Ländern mit Paraden und Straßenfesten gefeiert. Während sich in den 1980er Jahren gerade einmal ein paar Hundert Teilnehmer_innen in Großstädten wie Berlin oder Köln auf die Straße wagten, feiern heute allein in Baden-Württemberg jedes Jahr hunderttausend Menschen. Während die CSDs in Westeuropa einen volksfestähnlichen Charakter haben, kämpfen Lesben, Schwule und Trans- und Intersexuelle in Osteuropa immer wieder gegen ein Verbot ihrer Paraden – und gegen massive Angriffe durch rechtsgerichtete homo- und transphobe Gruppierungen.

 

Eingetragene Lebenspartnerschaft

Im Alltag wird die eingetragene Lebenspartnerschaft selten bei ihrem offiziellen Namen genannt, besser bekannt ist sie als „Homo-Ehe“.
Der Name trügt, denn als die eingetragene Lebenspartnerschaft am 1. August 2001 von der damaligen rot- grünen Bundesregierung eingeführt wurde, hatte sie mit der klassischen Ehe zwischen Frauen und Männern noch wenig gemein.
Das Lebenspartnerschaftsgesetz enthielt zunächst nur wenig eheliche Rechte, sondern vor allem eheliche Pflichten wie die Versorgungspflicht. Die Verpartnerten durften zwar einen gemeinsamen Nachnamen tragen und ein_e ausländische_r Partner_in erhielt auch ein Aufenthaltsrecht. Alle weiteren Rechte aber blockierte die damalige Opposition im Bundesrat. Erst im Laufe der letzten Jahre wurde die „Homo-Ehe“ der „Hetero-Ehe“ immer weiter angeglichen. Dazu haben maßgeblich die Urteile des Bundesverfassungsgerichts beigetragen, das die Ungleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare – zum Beispiel im Erbrecht und im Einkommensteuer- recht – für verfassungswidrig erklärt hat. Inzwischen sind verpartnerte Paare in den meisten Punkten mit verheirateten Paaren gleichgestellt. Unter anderem bei der Familiengründung gibt es jedoch nach wie vor Ungleichheiten, so wird beispielsweise gleichgeschlechtlichen Paaren das volle Adoptionsrecht verwehrt. Viele Länder, darunter auch Mitgliedstaaten der EU, sind bereits weiter gegangen. Sie haben die Ehe auch für Paare gleichen Geschlechts geöffnet und für ein gemeinsames Adoptionsrecht gesorgt.

 

Gender

Gender meint das soziale Geschlecht.
Es ist unabhängig von den Geschlechtsorganen und vom biologischen Geschlecht. Gender kommt aus dem Englischen. Dort trennt man zwischen dem biologischen Geschlecht („sex“), das sich auf den Körper bezieht, und dem sozialen Geschlecht („gender“).
Gender bezeichnet z.B. ein Verhalten, das angeblich typisch männlich oder typisch weiblich ist. Gendertheoretische Ansätze gehen davon aus, dass das Geschlechterverhalten nicht nur biologisch, sondern vor allem kulturell bedingt und daher erlernt ist. Welches Aussehen, welches Verhalten und welche Rolle eine Gesellschaft als typisch männlich oder typisch weiblich betrachtet und einfordert, kann demnach je nach Epoche und Lebensraum sehr unterschiedlich sein. So war z. B. blau bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Farbe der Mädchen. Ein Mann kann sich also in einer sozialen Rolle auch sogenannte weibliche Attribute aneignen, z. B. ein fürsorglicher Vater in Elternzeit sein, der sich um den Haushalt kümmert. Genauso kann eine Frau sogenannte männliche Eigenschaften oder Äußerlichkeiten in ihr Verhaltens- repertoire aufnehmen. Für viele Menschen ist diese Erweiterung ihres Rollenspektrums längst Realität.

 

Geschlechtliche Identität / Geschlechtsidentität

Bin ich eine Frau? Bin ich ein Mann? Oder ein Mensch dazwischen?
Die Geschlechtsidentität meint das Bewusstsein, einem Geschlecht anzugehören. Die Verhaltensweisen, die für ein bestimmtes Geschlecht als typisch oder akzeptabel gelten, werden in Abgrenzung dazu als Geschlechtsrolle bzw. Geschlechtsrollenverhalten bezeichnet. Die Mehrheit der Menschen identifiziert sich mit dem Geschlecht, welches ihnen nach der Geburt aufgrund ihrer körperlichen Geschlechtsmerkmale zugewiesen wurde (Junge oder Mädchen).
Die Geschlechtsidentität muss aber nicht zwingend mit den körperlichen Geschlechtsmerkmalen übereinstimmen, sondern kann davon abweichen. Zum Beispiel kann es sein, dass ein Mensch bei seiner Geburt als Mann eingeordnet wurde, sich aber als Frau fühlt und auch als Frau leben will. Bei diesen Personen kann auch die Art und Weise variieren, wie sie leben wollen.
Nehmen wir das Beispiel des Mannes, der als Frau leben will: Möchte sie mit einer Geschlechtsangleichung ihre körperlichen Merkmale anpassen? Oder ohne eine solche Operation sozial als Frau leben? Welchem Geschlecht fühlt sich ein intersexueller Mensch zugehörig? Womöglich keinem der beiden gesellschaftlich anerkannten, sondern einem dritten, bisher noch undefinierten? Im Juni 2011 verabschiedete der Menschenrechtsrat der UNO eine Resolution, wonach niemand wegen seiner Geschlechtsidentität verfolgt und diskriminiert werden darf.

 

Heterosexuell / Heteronormativität

Heterosexuelle Menschen fühlen sich emotional und sexuell von Menschen des ungleichen, also anderen Geschlechts angezogen. Der griechische Begriff hetero bedeutet verschieden oder ungleich. Bis in die 1990er Jahre stand im Fremdwörterbuch unter dem Begriff Heterosexualität noch „Normale Sexualität“.
Lange Zeit galt Heterosexualität, also Sexualität zwischen Männern und Frauen, als Norm. Andere Formen der Sexualität wurden als Abweichung oder gar als Krankheit betrachtet. Diese Haltung, die ausschließlich Beziehungen zwischen Männern und Frauen anerkennt und alle anderen sanktioniert, wird als Heteronormativität bezeichnet. Dabei ist die Bewertung einer sexuellen oder geschlechtlichen Identität als normal oder unnormal völlig fehl am Platz.

 

Homophobie / Homofeindlichkeit

Homophobie/Homofeindlichkeit bezeichnet die Ablehnung von Homosexuellen bzw. Feindseligkeit gegen Homosexuelle.
Das Wort „Phobie“ stammt aus dem Altgriechischen und bezeichnet eine irrationale Angst. Homophobie kann sich in Vorurteilen, Abwertung, der Befürwortung von Diskriminierung oder Gewaltausübung äußern.
Heutige Wissenschaftler_innen stellen Homophobie in eine Reihe mit Rassismus, Sexismus oder Behindertenfeindlichkeit und sehen als Ursache dieser gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit eine Ideologie der gesellschaftlichen Ungleichwertigkeit. Sie haben oft eine lange gesellschaftliche Geschichte. Bei Schwulen und Lesben z. B. die strafrechtliche Verfolgung und soziale Äch- Tun während und nach der NS-Zeit. Auch Sexual- und Geschlechtsrollennormen und religiöse Vorstellungen prägen die Einstellungen zu Homosexualität.

 

Homosexuell / Homosexualität

Homosexuelle Menschen fühlen sich emotional und sexuell von Menschen des gleichen Geschlechts angezogen.
Homo ist das griechische Wort für gleich. Wissenschaftler_innen gehen heute davon aus, dass fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung homosexuell sind. Man wird homosexuell geboren, niemand kann durch Erziehung homosexuell gemacht werden.
Heute ist Homosexualität in vielen Teilen der westlichen Gesellschaft als eine sexuelle Identität und als Lebensentwurf anerkannt. In anderen Teilen halten sich Vorurteile und Ablehnung. Das hängt auch mit dem negativen Bild zusammen, das in der Vergangenheit von Homosexualität gezeichnet wurde. Der Begriff taucht erstmals Ende des 19. Jahrhunderts auf, als – nach der Kirche und der Justiz – auch die Medizin und Psychiatrie begannen, sich mit der Liebe zwischen Frauen bzw. Männern zu befassen. Damals wurde Homosexualität als krankhaft eingeordnet. Heute sind sich alle seriösen Wissenschaftler_innen einig, dass Homosexualität keine Krankheit ist.

 

Intersexuell / Intersexualität

Intersexuelle Menschen werden mit einem Körper geboren, der nicht der medizinischen Norm von „eindeutig männlich“ oder „eindeutig weiblich“ entspricht. Dabei gibt es viele verschiedene Varianten. So kann es zum Beispiel sein, dass ein Fötus mit XY-Chromosomen zwar Hoden ausbildet, die männliche Hormone ausschütten, diese aber nicht vom Körper aufgenommen werden, was für ein männliches äußeres Erscheinungsbild nötig ist. Somit hat der Mensch männliche Geschlechtsorgane, aber ein weibliches Äußeres. Oder der Körper bildet aufgrund eines Enzymmangels zunächst kein Testosteron.
Der Mensch wächst als Mädchen auf, entwickelt aber in der Pubertät männliche Merkmale wie Bartwuchs und Stimmbruch. Fachleuten zufolge kommen jedes Jahr in Deutschland rund 150 bis 340 Kinder auf die Welt, die kein eindeutiges Geschlecht haben. Der Deutsche Ethikrat hat sich ausführlich mit der Situation von intersexuellen Menschen befasst. Er hat insbesondere die Praxis kritisiert, dass Intersexuelle bereits als Kinder durch geschlechtszuordnende Operationen (angeblich) zu einem eindeutigen Mann oder einer eindeutigen Frau gemacht werden.
Auch Fragen des Personenstandsrechts, das eine Zuordnung zum männlichen oder weiblichen Geschlecht vorgeschrieben und für andere Varianten keinen Raum gelassen hat, werden kritisiert. Wenn ein intersexueller Mensch im Pass als Mann oder als Frau beschrieben wird, dann ist das falsch. Ein solches Vorgehen macht intersexuelle Menschen, die auch als Zwitter bezeichnet werden, in unserer Gesellschaft unsichtbar. Heute wird im Geburtenregister kein Geschlecht eingetragen, wenn das körperliche Erscheinungsbild eine eindeutige Zuordnung zu männlich oder weiblich nicht zulässt.

 

Lesbisch / Lesbe

Eine lesbische Frau ist homosexuell, sie liebt und begehrt also Frauen. Namensgeberin der lesbischen Liebe ist die Insel Lesbos.
Hier lebte die griechische Dichterin Sappho im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und beschrieb in ihren Gedichten die Liebe zwischen Frauen. Zum ersten Mal politisch zu Wort meldeten sich lesbische Frauen am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Nationalsozialist_innen zerstörten die noch junge lesbische Subkultur von Zeitschriften und „Damenclubs“ nachhaltig.
Erst Ende der 1960er Jahre nahmen frauenliebende Frauen im Zuge der autonomen Frauen- und Homosexuellenbewegung wieder den Kampf für ihre Rechte auf. Sie entwickelten auch im Rahmen feministischer Bewegungen eine eigenständige Subkultur. Selbstbewusst wurde der abwertende Begriff Lesbe positiv besetzt und meint nun eine soziale, kulturelle und politische Identität, die sich in dem Zugehörigkeitsgefühl zu anderen Lesben sowie deren Gruppen und Initiativen ausdrückt.
Seit einigen Jahren ist die Bezeichnung Lesbe sogar in die offizielle Nachrichtensprache eingegangen. Dennoch wird Lesbe in homophoben Kreisen nach wie vor als Schimpfwort verwendet.

 

LSBTTIQ

LSBTTIQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell und queer.
Diese Abkürzung macht die Vielfalt von sexuellen und geschlechtlichen Identitäten deutlich und schließt alle Menschen mit einer von der Heteronorm abweichenden Identität ein. Früher sprach die Community in der Regel nur von Lesben und Schwulen. Als sich dann aber auch Trans- oder Intersexuelle selbstbewusst zu Wort meldeten, wurde klar, dass diese Kategorien zu eng sind und mit dem Begriffspaar viele Menschen ausgeschlossen werden. Zunächst wurde Lesben und Schwule ergänzt um die Gruppe der Bi- und Transsexuellen.
Da die USA hier Vorreiter waren, lautete der neue Begriff LGBT, also „lesbian, gay, bisexual, transsexual“. Aber auch der Begriff „transsexuell“ griff noch zu kurz, da damit ausschließlich Menschen gemeint sind, bei denen ein Widerspruch zwischen der eigenen Geschlechtsidentität und dem biologischen Geschlecht besteht.
Also wurden auch transgender und intersexuelle Menschen benannt. Queer bezieht sich auf Menschen, die von den gängigen zweigeschlechtlichen Geschlechterrollen abweichen und die sich keiner der anderen Definitionen zugehörig fühlen. Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg Dieses Landesnetzwerk ist ein überparteilicher und weltanschaulich nicht gebundener Zusammenschluss von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren (LSBTTIQ) Gruppen, Vereinen und Initiativen in Baden-Württemberg. Ziel ist es, die Zusammenarbeit der verschiedenen LSBTTIQ-Mitgliedsgruppen auf Landesebene zu fördern und den Erfahrungsaustausch zu intensivieren, zu zentralen Themen gemeinsame Positionen zu erarbeiten und gegenüber Landespolitik Entscheidungstragenden zu vertreten. Aktuell zählt das Netzwerk über 90 Mitgliedsorganisationen. Das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg steht für die Akzeptanz und Anerkennung der Vielfalt von Geschlecht und der Akzeptanz von Lebensformen jenseits heteronormativer Entwürfe. Damit setzt sich das Netzwerk für das Recht auf selbstbestimmte sexuelle und geschlechtliche Identität ein.

 

Queer

Als queer bezeichnen sich Menschen mit einer sexuellen und/oder geschlechtlichen Identität, die von der gesellschaftlichen Norm abweicht. Queer ist ein offener Begriff, der alle einschließt, die mit ihrem Aussehen und/oder Verhalten nicht den gängigen Rollenbildern entsprechen. Das Wort kommt aus dem Englischen und heißt eigentlich verrückt, seltsam oder auch suspekt.
Genau wie lesbisch oder schwul wurde die Bezeichnung früher abwertend verwendet. Wer sich jedoch heutzutage als queer bezeichnet, bei dem_der schwingt eine gewisse Freude und auch Stolz darüber mit, dass das eigene Lebens- und Liebensmodell etwas schräg und anti- traditionalistisch ist.
Die Queer Theory beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen Sex, Gender, Begehren sowie gesellschaftlichen Machtstrukturen und Normsetzungen.

 

Regenbogenfamilie

In Regenbogenfamilien leben Kinder mit lesbischen Müttern, schwulen Vätern oder mit (mindestens) einem Elternteil zusammen, das sich als queer, transsexuell oder transgender definiert.
Es gibt verschiedene Konstellationen, in denen Regenbogenkinder aufwachsen. Die häufigste ist ein Frauenpaar, das mit einem oder mehreren Kindern lebt. Diese Kinder stammen oft aus einer vorangegangenen heterosexuellen Beziehung einer oder beider Partner_innen, so dass manchmal auch der Vater der Kinder eine aktive Rolle in der Familie spielt. Frauenpaare können Kinder auch mit Hilfe von Samenspende(n) bekommen (nicht zu verwechseln mit der künstlichen Befruchtung im Reagenzglas). Diese Spende kann – mit aufwendigen, zusätzlichen Rechtsvorkehrungen – von einer Samenbank stammen oder von einem privaten Samenspender. Auch dieser kann, je nach Wunsch und Vereinbarung, eine aktive Rolle als Vater übernehmen und damit Teil der Regenbogenfamilie sein. Manchmal entscheiden sich je ein Frauen- und ein Männerpaar dafür, gemeinsam eine Familie zu gründen.
Und natürlich leben auch Männerpaare als Eltern mit Kindern, die dann meist aus einer früheren heterosexuellen Beziehung stammen oder als Pflegekinder angenommen wurden. Schätzungen zufolge leben in Deutschland etwa 35.000 Kinder in Regenbogenfamilien, die laut Untersuchungen ebenso gut und behütet aufwachsen wie Kinder in anderen Familienformen.
Seit 2005 können Eingetragene Lebenspartner_innen das vorhandene leibliche Kind ihrer Frau bzw. seines Mannes im Rahmen der sogenannten Stiefkindadoption adoptieren. Seit 2013 ist die sogenannte Sukzessivadoption möglich. Hierbei kann der_die Lebenspartner_in das bereits vom Partner oder der Partnerin adoptierte Kind nachfolgend adoptieren.

 

Regenbogenflagge

Die Regenbogenflagge gilt international als Symbol für die Lesben- und Schwulenbewegung und ihren Kampf um Akzeptanz und Gleichberechtigung.
Sie wurde 1978 von einem amerikanischen Künstler auf Wunsch schwuler Aktivisten entworfen, die auf der Suche nach einem positiven Symbol für ihre Aktionen waren. Die Regenbogenfahne hat heute sechs leuchtende Farben (rot-orange-gelb-grün- blau-violett) und gilt als Zeichen für die bunte Vielfalt der Community.
Sie weht auf den Christopher Street Day-Paraden, klebt auf Autos und Fahrrädern oder in Schaufenstern von Geschäften, die zeigen wollen, dass sie „gay friendly“ sind und Mitglieder der Communities willkommen sind.

 

Rosa Winkel / Schwarzer Winkel

Kennzeichnungen für Häftlingsgruppen in Konzentrationslagern des Nationalsozialismus. Mit dem Rosa Winkel wurden männliche Homosexuelle, mit dem Schwarzen Winkel die Gruppe der sogenannten „Asozialen“ gekennzeichnet. KZ-Insassen mit dem Rosa Winkel waren ausschließlich männliche homosexuelle Häftlinge. Sie waren besonders schlimmen Demütigungen und Misshandlungen ausgesetzt. In den 1970er Jahren widmete die Schwulenbewegung den Rosa Winkel um, indem sie das Zeichen ihrer systematischen Verfolgung bewusst trug – und es zu einem stolzen Symbol für schwules Selbstbewusstsein machte.
Weibliche Homosexualität stand in Deutschland nicht unter Strafe. Dennoch wurden weibliche Homosexuelle in KZ eingeliefert und oft mit dem Schwarzen Winkel als „Asoziale“ oder als „Minderwertige“ gekennzeichnet.
Als solche galten bei den Nazis neben Lesben auch z. B. Frauen, die Mutter wurden ohne verheiratet zu sein oder häufig wechselnde Geschlechtspartner hatten.

 

Schwul / Schwuler

Ein schwuler Mann ist homosexuell, er liebt und begehrt also Männer. Schwulsein beschreibt auch eine soziale, kulturelle und politische Identität, die sich in dem Zugehörigkeitsgefühl zu anderen Schwulen sowie deren Gruppen und Initiativen ausdrückt. Woher der Begriff stammt, ist nicht definitiv geklärt.
Schwule Männer organisierten sich zum ersten Mal Ende des 19. Jahrhunderts. Mit seinem 1897 gegründeten „Wissenschaftlich Humanitären Komitee“ (WHK) kämpfte der Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld bereits damals dagegen, dass man Schwulsein als Krankheit bezeichnete und kriminalisierte. Für ihn war Schwulsein ein „Stück der Naturordnung“.
In der Weimarer Republik blühte eine bunte schwule Subkultur auf und Organisationen wie der „Bund für Menschenrecht“ setzten sich offen für die Akzeptanz und gegen die Homosexuellenverfolgung ein. Die Nationalsozialist_innen bereiteten der frühen Emanzipationsbewegung ein brutales Ende.
Erst Anfang der 1970er Jahre formierte sich die Schwulenbewegung neu. Neben dem politischen Kampf für Akzeptanz entwickelte die Schwulenbewegung zahlreiche Unterstützungsstrukturen wie z. B. Beratungsstellen.

 

Sexuelle Identität / Sexuelle Orientierung

Sexuelle Identität sagt aus, zu welchem Geschlecht bzw. zu welchen Geschlechtern sich Menschen sexuell und emotional hingezogen fühlen. Die häufigsten sexuellen Identitäten sind Heterosexualität, Homosexualität und Bisexualität.
Die Grenzen sind fließend, nicht alle Menschen passen in solche Kategorien. Teilweise wird in diesem Zusammenhang auch von dem Begriff der sexuellen Orientierung gesprochen. Noch ist nicht abschließend erforscht, wie sich die sexuelle Identität bei einem Menschen entwickelt. Die allermeisten Wissenschaftler_innen gehen davon aus, dass es sich dabei um eine unveränderliche Prägung handelt, die vor allem genetisch veranlagt ist. Das bedeutet: niemand, der zum Beispiel schwul ist, kann zu einem Heterosexuellen „gemacht“ werden. Genauso wenig, wie jemand, der heterosexuell ist, schwul „gemacht“ werden kann.
Da man sich seine sexuelle Identität nicht aussuchen kann, ist es für nicht- heterosexuelle Menschen wichtig, dass sie in einer Gesellschaft leben, die sie nicht aufgrund ihrer sexuellen Identität kritisiert oder sanktioniert.

 

Transgender

Transgender sind Menschen, deren Geschlecht von dem abweicht, welches ihnen zugewiesen wird.
Transgender ist z. B. jemand, dem bei der Geburt das Geschlecht „weiblich“ zugeordnet wurde, der aber in seinem Alltag als Mann lebt. Auch Menschen, die sich nicht in einem zweigeschlechtlich ausgerichteten Gesellschaftsbild wiederfinden, die z.B. ein anderes Geschlecht als männlich oder weiblich haben, bezeichnen sich oft als transgender. Im Unterschied zur Transsexualität wird nicht zwingend eine operative Geschlechtsanpassung oder eine Hormonbehandlung angestrebt.
Soziale Geschlechtswechsel sind auch zeitlich begrenzt möglich, z. B. bei Auftritten als Drag Queen oder Drag King. Dabei steht drag für „dressed as a girl / guy“ (angezogen wie ein Mädchen / ein Junge).

 

Transphobie / Transfeindlichkeit

Unter den Begriffen Transphobie bzw. Transfeindlichkeit versteht man alle Vorurteile, negative Einstellungen, Stigmatisierungen, Abwertungen, Verleugnungen, Diskriminierungen und jede Form von Gewalt gegenüber transgender und transsexuellen Menschen. Transfeindlichkeit steht in einem engen Zusammenhang mit Homophobie/Homofeindlichkeit.
Gründe für Transphobie können sein, dass zu der in unserer Gesellschaft ohnehin noch tief verankerten Abwehr und Abwertung von allem, was nicht den gängigen Geschlechtsrollenstereotypen entspricht, bei Transphobie zusätzlich eine tiefe Verunsicherung in Bezug auf die eigene (Geschlechts)Rolle hinzukommt.
Wie gewalttätig diese Ablehnung werden kann, zeigt der auch durch einen Hollywood-Film zu trauriger Berühmtheit gelangte Mord an Brandon Teena. Der junge Mann aus Nebraska wuchs als Mädchen auf. Als eine Gruppe Männer, denen Brandon ohnehin wegen seines „unmännlichen Verhalten“ suspekt gewesen war, seine Transsexualität entdeckten, vergewaltigten und erschossen sie ihn.
Am Transgender Day of Remembrance (TDoR am 20. November) wird weltweit an die Todesopfer von Transphobie erinnert.
Begründet wurde dieser Gedenktag 1999 von Gwendolyn Ann Smith, einer Aktivistin aus San Francisco. Der Grund für ihre Initiative war der Tod von Rita Hester, die in ihrem Apartment von einem unbekannten (und bis heute nicht ermittelten) Täter im November 1998 mit mehreren Messerstichen ermordet wurde.

 

Transsexuell / Transsexualität

Transsexuelle sind Menschen, die bei der Geburt einem biologischen Geschlecht zugewiesen wurden, welches nicht mit der eigenen Geschlechtsidentität übereinstimmt.
Viele Transsexuelle haben den Wunsch, ihr biologisches Geschlecht mit Operationen und/oder durch Hormoneinnahme anzupassen, um so ihrer eigenen Geschlechtsidentität ganz zu entsprechen. Der Begriff transsexuell sagt nichts über die sexuelle Identität der Person aus. Transsexuelle Menschen leben und lieben sowohl heterosexuell als auch schwul, lesbisch, bisexuell oder queer. Nach dem Verfahren im deutschen Transsexuellengesetz (TSG) von 1981 können transsexuelle Menschen ihren Vornamen und den Personenstand berichtigen lassen. Name und Geschlecht werden dann in Geburtsurkunde, Reisepass und anderen Dokumenten korrigiert.
Das Bundesverfassungsgericht hat 2011 eine Regelung gestrichen, die eine Personenstandsänderung von einer Zeugungsunfähigkeit abhängig machte. Begründet wurde dies mit dem Recht der körperlichen Unversehrtheit im Sinne der Menschenwürde. Ausdrücklich nicht durch das TSG geregelt sind die ärztliche Behandlung und die therapeutische Begleitung. Diese Bereiche sind in den Standards of Care, einer weltweiten Empfehlung der World Professional Association for Transgender Health (WPATH), formuliert worden. Sowohl das TSG als auch die Standards of Care werden von vielen transsexuellen Menschen aus unterschiedlichen Gründen kritisiert.

 

§ 175 StGB – Homosexuellenverfolgung

„Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts oder von Menschen mit Thieren begangen wird, ist mit Gefängniß zu bestrafen; auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden.“
So lautete der Paragraph, als er im Jahr 1871 Teil des deutschen Strafgesetzbuches wurde.
Es sollte über 100 Jahre dauern, bis der „Schandparagraph“ (Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld), der die männliche Homosexualität kriminalisierte, endgültig und ersatzlos gestrichen wurde.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden homosexuelle Männer systematisch verfolgt. Erfasst in so genannten „Rosa Listen“ wurden etwa 50.000 Männer nach §175 StGB verurteilt. Die Nationalsozialist_innen hatten den Paragraphen 1935 derart verschärft, dass bereits ein „begehrlicher Blick“ als Straftat galt. Der Willkür waren keine Grenzen mehr gesetzt. Nach Kriegsende übernahm die Bundesrepublik Deutschland das Gesetz in der unveränderten Fassung der NS-Zeit. Erst 1969 wurde der Paragraph reformiert, so dass Männer Sex mit Männern haben konnten, ohne Angst vor dem Gefängnis haben zu müssen. Die DDR kehrte zunächst zur Fassung des § 175 StGB aus der Weimarer Republik zurück und strich ihn 1968 ersatzlos. Erst im Jahr 1994 wurde im Zuge der Rechtsangleichung im wiedervereinigten Deutschland der § 175 ersatzlos aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Weibliche Homosexualität fiel in Deutschland nicht unter den § 175 StGB. Die Ausdehnung des „Schwulenparagraphen“ auf Frauen wurde zwar immer wieder in Erwägung gezogen, aber nicht umgesetzt. In rund 70 Ländern der Welt ist Homosexualität – männliche und auch weibliche – bis heute verboten, in einigen Ländern steht darauf die Todesstrafe.

 

 

 

Die Texte sind dem Aktionsplan für Akzeptanz & gleiche Rechte des Landes Baden-Württemberg "Lexikon der kleinen Unterschiede - Begriffe zur sexuellen und geschlechtlichen Identität" entnommen. 


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